Schwangerschaftsdiabetes

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

 

Schwangerschaftsdiabetes
                                                    

Bei Schwangerschaftsdiabetes, auch als Gestationsdiabetes bezeichnet, handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die den Kohlenhydratstoffwechsel betrifft und erstmals während der Schwangerschaft auftritt. Es ist eine Form des Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), der auch Typ-4-Diabetes genannt wird. Liegt bereits vor der Schwangerschaft ein Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2 vor, fällt dies nicht unter den Begriff Schwangerschaftsdiabetes. Es handelt sich dabei um die am häufigsten während der Schwangerschaft vorkommende Komplikation und deren Auftreten hat in den letzten Jahren zugenommen. Inzwischen geben Schätzungen eine Häufung zwischen 3,5 bis 4 Prozent an. Da eine größere Zahl unerkannter Fälle vermutet wird, werden teilweise höhere Zahlen publiziert. Unerkannt und unbehandelt bedeutet der Schwangerschaftsdiabetes eine Gefahr für die Mutter und das Kind.

Symptome: Wie macht sich Schwangerschaftsdiabetes bemerkbar?

Im Vordergrund steht ein erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) bei der Mutter während der Schwangerschaft. Dieser kann sich ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche bemerkbar machen. Die Glukosewerte im Blut erscheinen zu hoch und führen schließlich zu einem Ausscheiden der Glucose über den Urin. Im Urintest findet sich auf diese Weise Glukose.
Häufig weisen nicht die bei einem Diabetes bekannten Anzeichen auf den Schwangerschaftsdiabetes hin. Symptome wie starker Durst (Polydipsie), häufiger Harndrang (Polyurie), Schwäche und Müdigkeit zeigen sich nicht so ausgeprägt und werden eher mit der Schwangerschaft an sich in Zusammenhang gebracht. Klagen Schwangere über Scheidenentzündungen und Harnwegsinfekte können das Anzeichen für die Erkrankung an einem Schwangerschaftsdiabetes sein. Außerdem können sich im Ultraschall erhöhte Fruchtwassermengen (Polyhydramnion) sowie eine gesteigerte Größen-und Gewichtszunahme des Embryos zeigen. In vielen Fällen wird der Schwangerschaftsdiabetes von einem Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie) begleitet.
Wird er nicht behandelt, kann er im fortgeschrittenen Stadium zu einer Ketoazidose, einer Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper, führen. Sie sammeln sich an, weil der Körper seine Energie nicht über Glukose beziehen kann, sondern Fettreserven abbaut muss. Eine Ketoazidose ist eine schwerwiegende Stoffwechselentgleisung, die eine umgehende, intensiv-medizinische Behandlung erforderlich macht.

Ursachen: Wieso bekommt man Schwangerschaftsdiabetes?

Der Nüchternblutzucker sinkt während der Schwangerschaft, während die Konzentration an Insulin, dem Hormon, das für die Verwertung des Zuckers eine Rolle spielt, ansteigt. Jedoch wird die Empfindlichkeit des Insulins herabgesetzt. Die veränderte hormonelle Situation bewirkt, dass an die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse erhöhte Anforderungen gestellt werden, um den Bedarf durch das Ungeborene zu decken und die durch die hormonellen Bedingungen veränderte Situation auszugleichen. Besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte wird auf die vermehrte Produktion von Hormonen umgestellt, die die Bereitstellung größerer Energiemengen unterstützen und gleichzeitig die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin herabsetzen soll. Weist die Schwangere bereits vor der Schwangerschaft eine gewisse Insulinresistenz auf, erhöht sich deutlich das Risiko, an einen Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. Daraus ergeben sich bestimmte Risikofaktoren. Übergewichtige Frauen mit einem Body-Mass-Index von über 27, bei einem Alter von über 30 Jahren, sowie bei einer familiären Häufung von Diabetes Erkrankungen besteht ein höheres Risiko. Es wurden weitere Faktoren ermittelt, die ein besonderes Augenmerk verlangen. Betrug das Geburtsgewicht der Schwangeren selbst oder bereits geborener Kinder mehr als 4000 Gramm oder gab es bereits mehrere Fehlgeburten, sollte ein gegebenenfalls vorliegender Schwangerschaftsdiabetes abgeklärt werden.

Diagnose: Wie wird Schwangerschaftsdiabetes erkannt?

Eine gründliche Befragung spielt in der Diagnose eine besondere Rolle und kann helfen, einen bereits vor der 24. Schwangerschaftswoche manifesten Schwangerschaftsdiabetes aufzudecken. Auskünfte zu einem ausgeprägten Durstgefühl, Scheidenentzündungen, Harnweginfekten, zu stärker werdender Müdigkeit, Schwindelattacken oder Sehbeeinträchtigungen können Hinweise liefern. Die körperliche Untersuchung kann einen Verdacht erhärten, wenn der Blutdruck steigt, überdurchschnittliche Gewichts- und Bauchumfangszunahme zu verzeichnen sind oder Auffälligkeiten im Ultraschallbild (Kindesgröße, Fruchtwassermenge) sichtbar werden.
In der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche wird jeder Schwangeren ein Screening empfohlen. Hierbei wird 50 Gramm Glukose verabreicht und eine Stunde später der Blutzuckerwert bestimmt. Im Gegensatz dazu, wird bei einem oralen Glukose-Toleranztest (oGTT), nach mindestens 8-stündiger Nahrungskarenz eine 75 Gramm haltige Zuckerlösung getrunken. Der Blutzuckergehalt des Blutes wird anschließend nach einer und nach zwei Stunden analysiert. Überschreiten die bestimmten Werte die Toleranzgrenzen, wird ein Schwangerschaftsdiabetes wahrscheinlich.

Schwangerschaftsdiabetes – Therapie

Ziel der Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes ist die Normalisierung des Blutzuckergehaltes im Blut. Je nach Schwere der Erkrankung kann bereits mit einer Nahrungsumstellung und mehr Aktivität eine deutliche Besserung eintreten.
Orale Antidiabetika (Metformin, Sulfonylharnstoff) sind für Schwangere nicht zugelassen. Geringe Mengen eines kurzwirksamen Insulins, das unter die Haut gespritzt wird, verhindert ein Überschießen der Blutzuckermenge durch die Mahlzeit. In seltenen Fällen wird zusätzlich ein langwirkendes Insulin am Morgen gespritzt, das für eine Grundmenge des Hormons über den Tag sorgt. Wegen der Gefahr einer Unterzuckerung, die für das ungeborenen Kind und die Mutter besonders dramatisch sein kann, werden die Schwangeren umfassend eingewiesen und müssen kontinuierlich ihren Blutzuckerspiegel mit einem Blutzuckermessgerät (hier zum Blutzuckermessgerät Test) kontrollieren.

Was passiert nach der Schwangerschaft mit dem Schwangerschaftsdiabetes?

Nach der Schwangerschaft normalisiert sich der Hormonhaushalt wieder, die Insulinresistenz geht in den meisten Fällen zurück und damit verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes. Für die darauffolgenden Schwangerschaften erhöht sich das Risiko, erneut einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln. Etwa die Hälfte der Schwangeren ereilt dieses Schicksal. Ein ähnlicher Anteil erkrankt im Laufe der Zeit an einem dauerhaften Diabetes mellitus. Deshalb ist es für die betroffenen Frauen besonders wichtig, auf eine gesunde Lebensführung und Normalgewicht zu achten.

Was bedeutet der Schwangerschaftsdiabetes für das Baby?

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes liegt eine Risikoschwangerschaft vor. Für das Ungeborene erhöht sich das Frühgeburtsrisiko. Durch das vermehrte Fruchtwasservolumen kann ein vorzeitiger Blasensprung resultieren. Wegen des übermäßigen Wachstums des Kindes und einem Geburtsgewicht über 4000 Gramm ist oft eine Entbindung mit Kaiserschnitt angezeigt. Die Neugeborenen haben außerdem einen höheren Sauerstoffbedarf. Ist die Durchblutung des Mutterkuchens (Plazenta) herabgesetzt, verstärkt sich der Sauerstoffmangel des Kindes. Das Ungeborene versucht diesen Zustand durch eine vermehrte Bildung Sauerstoff transportierender, roter Blutzellen auszugleichen. Nach der Geburt zerfällt der in diesen Zellen vorhandene fetale Blutfarbstoff und führt zu einer verlängerten Neugeborenengelbsucht (Ikterus). Bei Ungeborenen ist häufig die Bildung spezieller Faktoren behindert, die für die selbständige Atmung nach der Geburt notwendig sind. Die Atmung muss deshalb über ein Beatmungsgerät oder die Gabe dieses Faktors unterstützt werden. Schließlich können Unterzuckerungen beim Neugeborenen auftreten, da es die hohen, über die Nabelschnur transportierten Mengen Blutzucker über eine vermehrte Insulinproduktion kompensieren musste. Nach der Entbindung, fällt dieser „Zuckerstrom“ weg und der Stoffwechsel im Neugeborenen muss sich erst auf die veränderten Bedingungen einstellen.

Schwangerschaftsdiabetes und Ernährung?

Für eine Ernährungsumstellung ist eine klassische Diät kein geeigneter Weg, da für die gesunde Entwicklung des Kindes eine optimale Nahrungsmenge und -zusammesetzung notwendig ist.
Wichtig ist es, eine gesunde Ernährung einzuhalten und einige Besonderheiten zu beachten. Da am Morgen die Insulinresistenz und damit Blutzuckerwerte am größten sind, sollte das Frühstück wenig Kohlenhydrate enthalten (Naturjoghurt, Rührei, gekochtes Ei, Vollkornbrot). Im Laufe des Tages mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen, ohne „Kohlenhydratspitzen“, jedoch mit größerem Gemüseanteil und Ballaststoffen. Auf Obst, Obstsäfte und Weißmehlprodukte sollte eher verzichtet werden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig.
Die empfohlene Energiemenge von 1800 bis 2000 Kilokalorien am Tag sollte nicht überschritten werden. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, muss auf die Gabe von Insulin umgestellt werden.

 

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